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Zukunft der Pflege in Baden-Württemberg – jetzt gestalten.

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und steigende Pflegebedarfe erfordern ein Umdenken.
Die caritativen Träger der Altenhilfe in Baden-Württemberg zeigen mit fünf zentralen Handlungsfeldern, wie Pflege menschlich, gerecht und zukunftsfähig gestaltet werden kann.

Die Pflege in Baden-Württemberg steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Der demografische Druck, steigende Pflegebedarfe, Fachkräftemangel und strukturelle Defizite fordern ein Umdenken. Gleichzeitig wächst die Notwendigkeit einer Pflege, die Würde wahrt, Teilhabe ermöglicht und Fachkräfte stärkt.
Die Keppler-Stiftung mit der Caritas Baden-Württemberg engagieren sich dafür, die Pflege in unserem Land zukunftsfest zu gestalten – sozial gerecht, menschlich und innovationsbereit. Mit diesem Papier benennen wir fünf zentrale Handlungsfelder und zeigen konkrete Wege auf, wie Politik, Gesellschaft und Träger gemeinsam Verantwortung übernehmen können.

1. Vertrauen statt Vorschrift – Pflegekräfte brauchen Freiheit für gute Pflege

Pflegequalität entsteht im Beziehungsraum – dort, wo Fachkräfte auf Augenhöhe mit Pflegebedürftigen agieren können. Doch die Realität ist oft durchgetaktet, reglementiert und dokumentationslastig. 

Handlungsansätze:

  • Mehr Eigenverantwortung für Pflegefachpersonen durch erweiterte Entscheidungsbefugnisse – beispielsweise bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen oder Medikamentenabsprachen in der häuslichen Versorgung.
  • Bürokratieabbau durch praxistaugliche Dokumentationssysteme („Pflege mit weniger Papier“) und Entbürokratisierungsoffensiven auf Landes- und Bundesebene. Ein Beispiel für Bürokratie und Ineffizienz sind die Regularien für medizinische Verordnungen, wie beispielsweise die Pflicht für Pflegeheime, auch bei irreversibler Inkontinenz regelmäßig Folgeverordnungen einzureichen.

2. Digital, aber menschlich – Technologie für mehr Nähe und Effizienz

Digitalisierung kann Pflegende entlasten und Zeit für Beziehungspflege schaffen – wenn sie klug eingesetzt und begleitet wird. Dabei gilt: Technik muss der Menschlichkeit dienen, nicht umgekehrt.

Handlungsansätze:

  • Verlässliche Finanzierung digitaler Infrastruktur in stationären und ambulanten Einrichtungen – auch für kleinere Träger.
  • Förderung niedrigschwelliger Technologien wie digitale Pflegedokumentation, mobile Visiten, Notrufsysteme oder Sensorik zur Sturzprävention.
  • Schulungs- und Kompetenzoffensiven für Mitarbeitende – mit praxisnaher Qualifizierung zu digitalen Anwendungen und ethischem Umgang mit Technik.

3. Innovation ermöglichen – Pflege neu denken

Um Innovationen voranzutreiben, braucht es die notwendigen Freiräume und Forschung in der Praxis.

  • Wirtschaftliche Stabilisierung bestehender Angebote bildet die Grundlage für die Innovationsfähigkeit.
  • Unbürokratische Ermöglichungskultur für neue Pflegesettings und Qualitätssicherung durch Evaluation.
  • Abrechnung nach Zeitaufwand statt starrer Leistungspaket – wie im Modell „IstZeitPflege“ erprobt und Überführung von erfolgreichen Projekten in den Regelbetrieb.
  • Aufbau regionaler Pflegeforschungsnetzwerke unter Beteiligung von Trägern, Pflegekräften und pflegenden Angehörigen.

4. Menschen gewinnen. Menschen halten. – Pflegeberuf attraktiv gestalten

Der Pflegeberuf muss leichter zugänglich und vielfältiger gestaltet werden, um mehr Menschen zu erreichen – und ihnen langfristige Perspektiven zu bieten.
Handlungsansätze:

  • Internationale Fachkräfte willkommen heißen – etwa durch beschleunigte Anerkennungsverfahren, Mentorings, intensive Sprachförderung und sozialpädagogische Begleitung.
  • Sprachbarrieren abbauen – etwa durch eine Refinanzierung von Sprachkursen vor und während der Ausbildung.
  • Neue Perspektiven durch Akademisierung – dafür braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis.

5. Raum für Pflege schaffen – Wohnen und Arbeiten menschenwürdig gestalten

Pflege braucht Orte: Orte des Wohnens, der Begegnung, der Versorgung. Doch oft scheitert Neubau an Bürokratie, Kosten oder fehlender politischer Unterstützung.

Handlungsansätze:

  • Beschleunigung von Genehmigungsprozessen durch standardisierte Verfahren und Pflegebauleitlinien auf Landesebene.
  • Förderung gemeinwohlorientierter Bauträger für neue Wohnformen wie Quartiershäuser, Pflege-WGs oder Mehrgenerationenmodelle.
  • Realistische Fördermittel für Investitionen – nicht nur für Großträger, sondern auch für kleinere und kirchliche Anbieter.
  • Den Rahmen für eine zukunftsfeste Pflege bilden eine Vertrauens- und Verantwortungsgemeinschaft: Sozialpartnerschaftlich und sozialräumlich – Pflege gemeinsam gestalten.

Die Keppler-Stiftung mit den Altenhilfeträger der Caritas in Baden-Württemberg sind bereit, sich durch ihr Handeln in die Entwicklung von zukunftsfähigen Lösungen einzubringen. Mögliche Ansatzpunkt zur Stärkung der Versorgungssicherheit sind:

  • Aufbau lokaler Care-Management-Strukturen (etwa gemeindenahe Pflegeperson) und präventiver Angebote im Vorfeld von Pflegebedürftigkeit (präventiver Hausbesuch)
  • Etablierung von Telepflege und digitaler Beratung als Ergänzung zur Präsenzversorgung
  • Stärkung der Beratungsfunktion von Pflegefachkräfte, um informell Pflegende zu befähigen
  • Verbindung von Quartiersentwicklung und kommunaler Altenhilfeplanung – für tragfähige, lokal verankerte Lösungen

Fazit und Zielsetzung
Die Zukunft der Pflege in Baden-Württemberg kann gelingen – wenn wir sie gemeinsam gestalten: mit Mut zur Veränderung, mit Vertrauen in Fachkräfte und mit dem festen Willen, Pflege menschlich, gerecht und nachhaltig auszurichten.
Die caritativen Träger der Altenhilfe in Baden-Württemberg stehen bereit, diesen Weg mitzugehen – mit ihren Einrichtungen, Fachleuten, Netzwerken und mit dem klaren Ziel:
Eine Pflege, die den Menschen dient – würdevoll, innovativ und verantwortungsvoll.