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Ein Ort, an dem man gesehen wird: Zu Besuch im Tagestreff Arbach Park

  • Ältere Frau massiert sich mit einem Massageball und lächelt dabei
  • Gruppe sitzt um einen Tisch und liest Zeitung
  • Ein älterer Mann und eine Mitarbeiterin lächeln und winken in die Kamera
  • Zwei Damen sitzen auf einem Stuhl un machen Gymnastik
  • Zwei Gäste sitzen mit Zettel an einem Tisch, dazwischen steht eine Mitarbeiterin und singt mit
  • Ältere Frau steht vor einem Gebäude und lächelt. Dahinter ist ein Schild mit der Aufschrift Tagespflege zu erkennen.
  • Ältere Frau sitzt auf einem Stuhl. Hinter ihr ist ein großes Leinwandbild mit Blumen zu erkennen. Eine Mitarbeiterin steht neben ihr und spricht mit ihr.
  • Eine Gruppe von Frauen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.
  • Frau und Mann sitzen an einem Tisch und unterhalten sich
  • Ältere Menschen machen Gymnastik

Der Tagestreff Arbach Park in Pfullingen feiert sein erstes Jubiläum. Ein Besuch vor Ort zeigt, warum dieses Angebot der Keppler-Stiftung weit mehr ist als Betreuung im Alltag.

Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft, als ich den großzügigen, lichtdurchfluteten Neubau des Tagestreffs Arbach Park in Pfullingen betrete. Durch die großen Fenster fällt der Blick auf die Achalm, deren Konturen an diesem Morgen immer wieder zwischen Wolken und Sonnenstrahlen auftauchen. Es ist kurz nach acht Uhr. Rund um den langen Gemeinschaftstisch in der offenen Wohnküche wird begrüßt, gelacht und Platz genommen. Einige werden vom flexiblen Fahrdienst gebracht, der selbst für Langschläfer:innen eine Lösung findet. Andere kommen zu Fuß aus der Nachbarschaft.

Seit knapp über einem Jahr gibt es den Tagestreff Arbach Park. Das Angebot der Keppler-Stiftung Reutlingen-Eningen richtet sich an ältere Menschen, die Unterstützung im Alltag benötigen oder sich mehr Gemeinschaft wünschen. Gleichzeitig entlastet es Angehörige, die Pflege und Beruf miteinander vereinbaren müssen.

Beim Frühstück liest Betreuungsfachkraft Oxana Pankratov kuriose Meldungen aus der Region vor. Die Runde lacht über Schafe auf einem Sportplatz. Wenig später passiert Teamleiterin Carina Smylla ein Missgeschick: Aus Versehen greift sie nach der Tasse einer Dame. Die reagiert gelassen, lehnt sich lächelnd an sie und sagt: „Das macht nichts. Sie sind ja nicht giftig.“

Es sind solche Momente, die viel über die Atmosphäre im Haus erzählen. Einen starren Ablauf gibt es hier nicht. Zwar steht eine Tagesplanung bereit, doch oft geben die Gäste die Richtung vor. Mittendrin nutzen wir die gute Stimmung, um ein Reel für die Social-Media-Kanäle zu drehen. Als Jailhouse Rock von Elvis Presley aus dem Lautsprecher erklingt, ist ein Gast voll im Element, rock’n’rollt durch den Raum und steckt alle mit seiner sichtbaren Freude am Tanzen an.

Bewegung gehört zum Alltag des Tagestreffs. Pankratov gestaltet regelmäßig Gymnastikrunden und Bewegungsangebote. Sie holt sich vorab online Inspiration, stellt Playlists zusammen und konzipiert die Runden schon zu Hause, um den Gästen die größtmögliche Abwechslung und Freude an der Bewegung zu schenken. Für die Betreuungskraft ist die Arbeit mit älteren Menschen „ein Traumjob“.

Gleichzeitig gibt es Rückzugsmöglichkeiten. Wer eine Auszeit braucht, kann sich in den Ruheraum legen und unter einem Sternenhimmel entspannen. Als eine Gästin den Drang hat, sich zu bewegen, schlägt Oxana Pankratov einen Spaziergang vor. Gemeinsam gehen sie zu einer nahegelegenen Brücke. Vorbeifahrenden Autos wird zugewunken, einige Fahrer hupen zurück. Die Seniorin strahlt. „Manche Menschen brauchen zwischendurch einfach persönliche Zeit“, sagt sie später. „Diese Eins-zu-eins-Momente sind genauso wichtig wie die Gemeinschaft.“

Menschen mit Demenz verstehen

Viele der Gäste leben mit einer Demenz. Eine wichtige Grundlage der Arbeit ist deshalb die sogenannte Validation. Dabei geht es darum, Menschen in ihrer Gefühlswelt ernst zu nehmen und ihre Wahrnehmung nicht zu korrigieren, sondern zu verstehen.

„Wir arbeiten viel über die Gefühlsebene“, erklärt Carina Smylla, die viele Jahre im Seniorenzentrum der Keppler- Stiftung im benachbarten Eningen tätig war und dort auch die Weiterbildung in Validation absolviert hat. „Das ist oft der beste Weg, Menschen zu erreichen.“

Im Laufe des Tages wird deutlich, wie selbstverständlich diese Haltung gelebt wird. Mitarbeiterinnen setzen sich zu den Gästen, hören zu, fragen nach oder legen beruhigend eine Hand auf die Schulter. Kleine Gesten, die Sicherheit vermitteln.

Wie wichtig der Tagestreff auch für Angehörige ist, zeigt das Gespräch mit Roger Bornhauser. An diesem Vormittag besucht er seine Mutter im Tagestreff. Dafür hat er sich kurz von der Arbeit freigenommen. Er kennt die Mitarbeitenden und Gäste, begrüßt viele vertraut und setzt sich ganz selbstverständlich zum Frühstück dazu.

Nach einem Schlaganfall benötigte seine Mutter Unterstützung im Alltag. Einen Platz in einer Tagespflege zu finden, erwies sich jedoch als schwierig. Als Bornhauser vom neu eröffneten Tagestreff erfuhr, meldete er seine Mutter sofort an.

„Meine Mutter bekommt sehr viel mit, auch wenn sie sich nicht mehr so äußern kann“, sagt er. „Wir unterschätzen oft, wie wichtig Aufmerksamkeit und soziale Kontakte sind.“ Es sei beruhigend zu wissen, dass Menschen da sind, die sich Zeit nehmen und sich kümmern.

„Zu Hause sitzt man sonst vielleicht den ganzen Tag vor dem Fernseher. Es fehlt die Interaktion. Hier wird sie gefördert, zum Sprechen und Denken angeregt. Diese Kontakte tun ihr unglaublich gut – gerade dann, wenn wir als Angehörige nicht da sein können.“

Nach einem intensiven Tag freue man sich auch wieder auf zu Hause und hat etwas zu erzählen. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit, die Arbeit der Mitarbeitenden sichtbar zu machen und zu zeigen, mit wie viel Fachwissen, Engagement und Fürsorge sie seine Mutter begleiten.

Ein Platz für Gemeinschaft und Würde

Wie stark die sozialen Kontakte hier nach nur einem Jahr sind, zeigt sich auch an den neu geschlossenen Freundschaften. Eine Gästin vermisst ihre Freundin, die krankheitsbedingt fehlt. Auf der anderen Seite des Tisches wird eine echte, tiefgründige Männerfreundschaft sichtbar: Zwei Herren nehmen sich an den Händen, umarmen sich und sprechen über die Themen, die sie bewegen.

Am Nachmittag begleitet Carina Smylla einen Gast zu Fuß nach Hause. Der Weg ist kurz, nur wenige Meter. Für sie eine Selbstverständlichkeit. Im Haus wird noch gelacht, Geschirr klappert in der Küche, sich verabschiedet.

Nach knapp über einem Jahr ist der Tagestreff Arbach Park für viele Menschen mehr geworden als nur ein Betreuungsangebot. Er schenkt Sicherheit, bereichert den Alltag mit Gymnastik, kreativen Aktivitäten, Ausflügen und gemeinsamen Mahlzeiten und ermöglicht neue Freundschaften. Vor allem aber ist er ein Ort, an dem man gesehen, verstanden und wertgeschätzt wird.

Info: Der Tagestreff Arbach Park Pfullingen ist an fünf Tagen in der Woche, von Montag bis Freitag geöffnet. Für Seniorinnen und Senioren, die in einen Pflegegrad eingestuft sind, übernimmt die Pflegekasse einen Großteil der Kosten.

Von Fadwa Al Homsi (Kommunikation, Keppler-Stiftung)