Die Positionen der Caritas in Baden-Württemberg zur Landtagswahl 2021 (Altenhilfe)

Pflege nachhaltig sichern

Wie notwendig im wahrsten Sinn des Wortes zuverlässige soziale Versorgungsstrukturen für den Zusammenhalt der Gesellschaft sind, zeigt sich aktuell in der Corona-Krise. Ohne ein funktionierendes Pflegesystem würde sich die Pandemie noch dramatischer auf viele andere Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens auswirken. Gleichzeitig treten bekannte Probleme und Bruchstellen wie zum Beispiel Versorgungsengpässe, Personalnot, und Lücken in der sozialen Infrastruktur wie unter einem Brennglas zutage.

„Applaus von den Balkonen“ oder Pflegeprämien allein reichen nicht aus, um die so genannte Systemrelevanz auf Dauer sicherzustellen. Wir müssen uns entscheiden, was uns unser Pflegesystem wert ist. Wir müssen die Frage beantworten, wie wir nachhaltig investieren, um die pflegerische Versorgung zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Der Fachkräftemangel im Pflegebereich ist nicht nur eine Frage der Bezahlung, sondern auch eine Frage der nachhaltigen Wertschätzung durch unsere Gesellschaft.

Um das Pflegesystem angesichts der anstehenden Herausforderungen und Erfahrungen aus der Corona-Krise nachhaltig zu sichern und bedarfsgerecht zu entwickeln, brauchen wir vor allem mehr Personal in der Pflege. Dafür wiederum müssen die Arbeits- und Rahmenbedingungen verbessert werden. Denn viele Menschen sind grundsätzlich daran interessiert, in Pflegeberufen zu arbeiten. Aber sie erwarten bessere Bedingungen.

Herausforderungen für die kommenden fünf Jahre

1. Pflegebedürftige entlasten

Um Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu entlasten, braucht es eine Umstellung auf eine echte Pflegeteilkaskoversicherung mit einem gedeckelten Eigenanteil. Zudem muss die Trennung von ambulanten und stationären Bereichen überwunden und die Behandlungspflege im stationä-ren Bereich im SGB V systemkonform verortet werden. Die Grundlage für diese Anpassungen wäre, dass eine flächentarifliche Entlohnung in Baden-Württemberg sichergestellt ist.

2. Pflegende stärken

Pflegekräfte brauchen ausreichend Kolleginnen und Kollegen an ihrer Seite, verlässliche Dienst-pläne und gesunderhaltende, transparente Arbeitsbedingungen. Dazu braucht es verbindlichere Regeln für die Besetzung mit qualifiziertem Personal.

3. Sicherung der Versorgung

Um die personellen Kapazitäten in der Pflege sowie in den Gesundheitsberufen vorhalten zu kön-nen, müssen die Ausbildungsplätze an den sozialpflegerischen Ausbildungsstätten und Hoch-schulen deutlich ausgeweitet werden. Weiterhin muss das Potential von digitalen Prozessen in der Pflege erheblich mehr ausgeschöpft werden. Dafür ist die Ausweitung der Digitalisierungsstrategie des Landes auf die Sozialwirtschaft notwendig. Darüber hinaus braucht die Kurzzeitpflege einen eigenen Versorgungsauftrag, und die Quartiersarbeit muss insbesondere finanziell abgesichert sein.

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Alter und Pflege - Hintergrund
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