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Munderkingen,

Über die Kunst der Bewegung

Neuer Leitprozess im Seniorenzentrum St. Anna in Munderkingen

Um die Gesundheit von Bewohnern und Mitarbeitern zu erhalten und zu fördern, setzt das Seniorenzentrum St. Anna in Munderkingen auf ein spezielles Bewegungskonzept.

Wir befinden uns mitten in den 70ern: Die Welt trauert um Elvis Presley, Schlaghosen und Plateauschuhe sind in und der letzte VW Käfer wird gebaut. Während die Gesellschaft mit den Veränderungen in der Musik-, Mode- und Technologiebranche beschäftigt ist, findet nebenher ein unscheinbarer und dennoch wichtiger Prozess an der University of California in den USA statt: Die Wissenschaftler Dr. Frank Hatch und Dr. Lenny Maietta interessieren sich für die Art und Weise, wie sich Menschen im Alltag bewegen und analysieren die Auswirkungen der Bewegung auf die geistige, körperliche und soziale Entwicklung. Für ihre Arbeit schaffen sie den Begriff Kinaesthetics, der sich aus den griechischen Worten Bewegung und Wahrnehmung zusammensetzt.

Zurück in die Zukunft

Bewegung und Wahrnehmung sind heute Grundlagen unseres Lebens. Für uns alle ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Kinaesthetics sinnvoll, denn: Neue Bewegungs-möglichkeiten können entdeckt und Beschwerden wie Rückenschmerzen und Ver-spannungen entgegenwirkt werden. Kinaesthetics ist die Lehre der achtsamen Bewegung, um (im Alter) beweglich und selbständig zu bleiben. Dies bedeutet vor allem die Erhaltung und Förderung unserer Lebensqualität.

Lebensqualität gehört zum Pflege- und Betreuungsgrundsatz der Keppler-Stiftung. Im Seniorenzentrum St. Anna Munderkingen sind die MitarbeiterInnen sofort überzeugt vom Konzept der Kinaesthetics, das vor allem im Einklang mit der angestrebten Ganz-heitlichkeit und der Care-Ethik in der Pflege steht. Betreuung und Pflege haben den ganzen Menschen im Blick, die Begegnung beruht auf Achtsamkeit, Wertschätzung und Respekt. „Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit der BewohnerInnen zu fördern und die Gesundheit der MitarbeiterInnen noch stärker in den Blick zu nehmen“, sagt Ein-richtungsleitung Denis Lamsfuß.

Ein essentieller Schritt nach vorne

Was vor über 30 Jahren als interessantes Konzept vor allem im Pflegebereich auf großes Interesse stößt, ist heute europaweit eine erfolgreich etablierte Bildungsorganisation mit über 1000 Kinaesthetics-TrainerInnen. Die Lehre der Beweglichkeit ist vor allem für Pflegefachkräfte ein wichtiges Instrument in ihrer Tätigkeit: Sie lernen mit weniger Kraftaufwand pflegebedürftige Menschen in ihrer Bewegung zu unterstützen. 2019 wird die Bewegungskompetenz nun auch, dank der finanziellen Förderung der Keppler-Stiftung und der Landesbank Baden-Württemberg sowie der Unterstützung des Stifterfonds „Lebensfreude, Lebensqualität und Würde im Seniorenzentrum St. Anna Munderkingen“, ein wichtiger Teil des Seniorenzentrums St. Anna. „Die Reaktionen waren positiv, alle sind bereit, es zu probieren, auch weil sie erkannt haben, dass es ihnen selbst was bringen kann“, sagt Edith Schelkle, die sich als Pflegedienstleitung schon länger mit dem Thema befasst. Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen liegt auf der Hand: Aktuelle Zahlen des Gesundheitsreports der DAK belegen, dass die häufigste Ursache von Arbeitsunfähigkeit in Deutschland Rückenprobleme bzw. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems ist. Prävention ist wichtig, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.  

Der Prozess des Lernens

Im November 2018 fand ein Start-Workshop statt, bei dem eine Trainerin und die Geschäftsführerin der Kinaesthetics mlh GmbH (KMLH) Carmen Steinmetz-Ehrt gemeinsam mit den TeilnehmerInnen, den Leitungskräften der Einrichtung und dem Vorstand der Keppler-Stiftung Dr. Alfons Maurer über das Kernangebot der Kinaesthetics sprachen. Unter Berücksichtigung der Werte der Stiftung und Grundsätze der Care-Ethik wurde darauf aufbauend ein Rahmenplan für die Einrichtung erarbeitet. In Seminaren und Workshops mit Praxisbegleitung und Bewegungsanalysen sollen nun Betreuungs- und Pflegefachkräfte sowie Mitarbeitende in der Produktionsküche und der Hauswirtschaft unter Prozessbegleitung der KMLH geschult werden. Neben der Sensibilisierung der eigenen Bewegungswahrnehmung und die Erweiterung der Bewegungskompetenz ist es Ziel der Einrichtung, die Kinaesthetics in die bereits vorhandenen Qualitätsinstrumente (Übergabe, Fallbesprechungen und das Qualitäts-managementsystem) einzuarbeiten. Die Prozesse und Ergebnisse werden anhand eines Mikro-Audit-Verfahrens regelmäßig reflektiert und bewertet.

 

 

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